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Traurige Zeugen einer Operation: Narben. Richtige Behandlung und Pflege

Die Heilung einer auch perfekt genähten Operationsöffnung haben immer das gleiche Ergebnis: Eine Narbe. Die stört vor allem nach ästhetischen Eingriffen. Man kann aber auch hier einiges tun.

Wir nehmen sie als Eingriff in die ursprüngliche glatte Hautoberfläche wahr, aber eine Narbe hat auch ihr eigenes „Leben“. Sie geht durch alle weichen Gewebeschichten von der Oberfläche bis in die Tiefe, je nach Umfang der Operation. Sie kann nicht nur ästhetische Probleme verursachen.

Zwischen dem vernarbten und dem umgebenden Gewebe gibt es viele Unterschiede. Vernarbtes Gewebe ist immer „minderwertiger“ als das ursprüngliche Gewebe, das es ersetzt. Die anatomische Zusammensetzung ist sehr abweichend, sie hat nur eine kleine Menge an funktionsfähigen Zellen und Gefäßen, im Unterschied zur Haut oder den Muskel beinhaltet sie keine elastischen Fasern, so dass die Elastizität der Haut geschädigt ist.

Mit der Zeit gibt es auch die Neigung zur Steifheit und dem Zusammenziehen, so dass sich der Unterschied zum gesunden noch Gewebe verstärkt. Manchmal verursachen Narben auch Schmerzen an einer völlig anderen Stelle, als dort sie entstanden sind.

 

Wie eine Marionette

Das Aussehen der Narbe und ihre Schmerzempfindlichkeit unterscheiden sich je nachdem, ob sie noch aktiv oder schon gut verheilt ist. Eine aktive kann sich durch die schlechtere Dehnbarkeit des weichen Gewebes äußern, sie kann weh tun und der Schmerz muss nicht gerade an der Stelle der Narbe sein.

Wie wird es verursacht? Die Wunden werden nicht genau nach den Schichten genäht, sondern immer zwei Schichten zusammen, daher muss man nach der Operation die Stelle lockern, damit die Schichten schön frei aneinander gleiten und sie nicht wie eine Marionette an den Nähten ziehen und die Umgebung beeinflussen um keine Verwachsungen entstehen zu lassen.

Diese Risiken kann man minimieren, doch man muss rechtzeitig mit postoperativen Techniken beginnen. Es sind die sogenannten Techniken an weichen Gewebeteilen: z.B. Druckmassagen, Kreisen, etc. die zur Ober- und Unterhautdehnung dienen und der Patient kann sie selbständig nach einer fachlich kompetenten Unterweisung zu Hause durchführen. Die Methoden sind zwar sehr sanft, man muss trotzdem einen geweissen Widerstand des Gewebes überwinden um in größere Tiefen vorzudringen. Das ist nicht immer ganz einfach. Größeren Druck können wir uns bei älteren Narben leisten – sie kann man nicht nur der Länge nach, sondern auch breit auseinanderziehen. Den Druck darf man aber nicht übertreiben, denn dann wehrt sich das weiche Gewebe durch Zusammenziehen, was in diesem Fall kontraproduktiv ist.

Mit diesen Techniken sollte man frühestens drei Monate nach der Operation beginnen. Mit der Narbentherapie beginnt man gleich nach der Operation in der Umgebung der Narbe, nachdem die Nähte draußen sind und wenn die Narbe verheilt ist die Massage auch direkt auf der Narbe möglich. Nach drei Monaten können wir uns auch einen leichten Druck durch Auseinanderziehen leisten, wie wenn wir die Narbe öffnen wollten. Aber vorsichtig, dass wir uns nicht eher schaden. Man muss damit rechnen, dass die Narbe „arbeitet“, d.h. sie ändert ihre Größe bis zu achtzehn Monate nach dem Entstehen.

 

Es ist nur Laparoskopie

Laparoskopische Operationen sind für den Organismus sicher eine kleinere Belastung als die klassischen. Es ist aber wichtig zu wissen, dass auch die kleinen Narben, die danach bleiben, gepflegt werden müssen. Auf der Oberfläche sehen sie zwar winzig aus, aber das Gerät, das da durchgeschoben worden ist, hat einen langen Weg bis zur Stelle der Operation absolviert. Daher muss die gesamte Länge der Narbe im Inneren beeinflusst werden, damit keine Verwachsungen entstehen und die einzelnen Hautschichten schön aneinander gleiten können – die Haut an der Unterhaut, die Unterhaut an den Fazien, die Fazien an den Muskeln und die einzelnen Muskeln an den Knochen.

Wieso haben manche Leute knapp nach der Operation fast unsichtbare Narben? Das ist auch genetisch bedingt. Wie konkret Ihre aussehen wird, wird Ihnen vorher niemand sagen können, auch kein Schönheitschirurg. Sicher ist aber, je früher Sie mit einer richtigen Pflege beginnen, desto schneller und besser verschwinden sie. Frische Narben sind einfacher zu beseitigen.

 

Auch ohne Wundermittel

Narben genauso wie Schwangerschaftstreifen (das ist eigentlich geplatzte Haut infolge von zu schneller Dehnung) kann man mit pflegenden Feuchtigkeitsemulsionen vorbeugen. Bei geplanten chirurgischen Eingriffen spielt auch die Art des Nähens der Wunde und Anwendung von auflösbaren Nähmaterialen eine Rolle. Narben benötigen während der Heilung vor allem Feuchtigkeit und maximalen Zugang zu Sauerstoff.

Sehr vorsichtig muss man nach dem Eingriff mit der Sonne umgehen. Ein Hut, Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor und ein Sonnenschirm sind unbedingt erforderlich. UV-Strahlung könnte nämlich die sogenannte Hyperpigmentierung verursachen, das heißt die unerwünschte Verdunkelung der Narbe. Narben muss man von der Sonnenstrahlung bis zur völligen Abheilung schützen, so lange die Narbe rot ist. Das kann auch bis zu einem Jahr dauern.

Obwohl es keine Wundercreme gibt, nach der die Narben völlig verschwinden würden, können wir mit einer richtigen Pflege zumindest erreichen, dass die Farbe und die Struktur feiner und dass die Haut in der Umgebung elastischer wird.